We want to CLOSE this miserable Heim

Schon häufiger machten Gruppen und Organisationen auf die schlechten Verhältnisse in Heimen für AsylbewerberInnen aufmerksam und versuchten diese zu schließen. Seltener ist es wenn sich AsylbewerberInnen selbst Organisieren und gegen die misserablen Bedingungen protestieren. In Katzhütte (Thüringen) ist dies nun passiert. Mit einem Aufruf bitten die BewohnerInnen um Unterstützung und Solidarität. Hier der Aufruf:

Wir, die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Katzhütte, bitten um
Solidarität und Unterstützung! Wir wollen in normalen Häusern wohnen und
nicht in Baracken!

23. und 24. Februar 2008 > Treffen mit den Bewohnern aus Katzhütte > 10.30 am >
The VOICE Refugee Forum Jena +++ Schillergässchen 5 +++ 07745 Jena

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir, die Asylbewerber, die in dem Flüchtlingsheim von Katzhütte leben,
möchten ihnen mitteilen, dass wir unter den äußerst miserablen Zuständen in
unserem Flüchtlingsheim sehr leiden und deshalb entschieden haben, auf
verschiedene Art und Weise zu protestieren, um das Camp zu schließen aus den
folgenden Gründen:

1. Wir, das sind um die 35-40 Einzelpersonen (jung und alt) und mehrere
Familien aus aller Welt, die völlig isoliert, ohne jeglichen Kontakt zur
deutschen Gesellschaft in einer Gemeinschaftsunterkunft in Katzhütte leben.
Katzhütte ist ein kleines Dorf im Thüringer Wald, 1h30 Minuten mit dem Zug
entfernt von Saalfeld.

2. Wir und unsere Kinder werden hier wie Kriminelle behandelt, obwohl wir
keine sind. Wir leben wie in einem Gefängnis weggesperrt, nur weil wir
Asylbewerber sind.

3. Von 17.00 bis 8.00 stellt die Heimleitung uns das warme Wasser für die
Dusche ab und nach 16.00 Uhr dürfen wir die Gemeinschaftsküche nicht mehr
benutzen. Wir bekommen von der Heimleitung weder Seife noch Toilettenpapier,
obwohl sie verpflichtet wären uns selbiges auszuhändigen.

4. Unsere Schlafräume befinden sich in einem sehr schlechten Zustand. Es sind
alte heruntergekommene Hütten, gebaut aus Karton und Faserplatten. In den
Hütten riecht es muffig, weil die Wände angeschimmelt sind. Wir haben Angst,
dass sich das auch auf unsere Gesundheit auswirkt.

5. In Katzhütte gibt es für uns keine Möglichkeit einen Deutschkurs zu
besuchen bzw. anderweitig die deutsche Sprache zu erlernen. Deshalb sprechen
die meisten von uns kein Wort deutsch. So brauchen wir immer irgendjemanden,
der uns die Briefe von der Ausländerbehörde oder dem Doktor übersetzt.

6. Seit Januar 2008 bekommen wir unsere Sozialhilfe nur noch in Form von
Gutscheinen ausgehändigt. Wir bekommen gar kein Bargeld mehr und die
monatliche Summe wird nicht auf einmal ausgezahlt. Mit den Gutscheinen
können wir nur in einem bestimmten Supermarkt Lebensmittel einkaufen. Dieser
Supermarkt gehört der Tegut Kette an und ist einer der teuersten Supermärkte
von Deutschland, so dass unsere Sozialhilfe meist nur für eine Woche reicht.

7. Um uns aus Katzhütte weg zu bewegen, müssen wir einen Urlaubsschein bei
der Ausländerbehörde in Saalfeld beantragen. Das Zugticket, um nach Saalfeld
zu fahren müssen wir selber bezahlen. Da wir aber für die Gutscheine
ausschließlich Lebensmittel bekommen, haben wir kein Geld für ein Zugticket.
Das ist vor allem für die Familien mit Kindern ein Problem, die mit den
Kindern öfter zu einem Arzt nach Saalfeld fahren müssen.

8. Um uns zu duschen, müssen wir ca. 300 Meter durch die Kälte laufen, so
dass viele Kinder und alte Menschen kontinuierlich krank sind. (Katzhütte
befindet sich in den Bergen, der Winter ist lang, die Temperaturen sind oft
unter null Grad mit Schnee)

9. Wir leiden außerdem unter der Art und Weise, wie wir von der Heimleiterin
behandelt werden. Sie schreit uns oft an und bestraft uns kollektiv, indem
sie das Wasser in der Küche abstellt, den Kühlschrank oder den Elektroheizer
konfisziert oder die Gemeinschaftsküche abschließt.

Wir wollen ein Ende von diesem Leben voller Schikanen und psychischer
Folter! Wir wollen in normalen Häusern leben und nicht in Baracken! Wir
wollen dieses miserable Heim schließen! Wir rufen Euch auf, uns zu
unterstützen in unserem Kampf um unsere Würde! Wir bitten Euch um Eure
Solidarität!

Die Bewohner der G.U. Katzhütte

Für mehr Informationen wenden sie sich bitte an Hr. Sbaih: 0162 3574667