Keine/r muss allein zum Amt

Die Einen sagen, dass verlängert doch nur den Kapitalismus. Die Anderen sagen, im hier und jetzt für bessere Lebensbedingungen zu kämpfen ist legitim. Und wieder andere verbinden beides und sagen, eine revolutionäre Bewegung benötigt eine bessere Organisierung und Rückhalt in und Einfluss auf die Bevölkerung.

Ohne sagen zu wollen das ersteres Falsch ist, finde ich die letzte Position zur Zeit am sympathischsten. Daher Daumen hoch von mir für solche Aktionen:

(via)

Zumindest in Jena gibt es auch so eine Initiative: das Kommando Sozialkräfte‭.


14 Antworten auf „Keine/r muss allein zum Amt“


  1. 1 keule 22. September 2009 um 20:59 Uhr

    Was bitteschön soll diese Aktion mit Revolution oder der dazugehörigen Bewegung zu tun haben? Nicht das ich diese Aktion verunglimpfen möchte aber revolutionäres kann ich da beim besten Willen nicht entdecken.

  2. 2 fliegvogelflieg 23. September 2009 um 1:44 Uhr

    Da hast du mich glaub ich falsch verstanden. Eigentlich wollte ich sagen dass diese Aktion eben nichts mit Revolution zu tun hat. Im Gegenteil besteht die Möglichkeit das sie den Kapitalismus sogar am leben erhält.

    Die Frage ist: wie kommen wir zu einer Revolution oder überhaupt erstmal zu einer (emanzipatorischen) Bewegung? Sicher nicht wenn wir uns in den Universitäten verkriechen und ausschließlich Theorie machen. Wohl eher wenn wir auf die Straße gehen und gemeinsam mit Menschen die durch das bestehende System benachteiligt werden für Verbesserungen Kämpfen. Und genau in diese Kerbe versucht die Aktion (und viele weitere dieser Art) zu schlagen.

  3. 3 ♥Tekknoatze 23. September 2009 um 10:25 Uhr

    Nur kurz, weil ich gleich das Internet verlassen muss, aber:

    Die Frage ist: wie kommen wir zu einer Revolution oder überhaupt erstmal zu einer (emanzipatorischen) Bewegung?

    Das ist eine gute Frage, auf die ein Haufen Antworten existieren und noch mehr Bücher geschrirben wurden, die aber auch alle keine Klärung aufweisen. Grundlegend kann man, imo, nur festhalten, dass man die Leute davon überzeugen muss, dass ihr Denken in den nationalistischen Bahnen und ihr besorgt sein um den Staat als vermeintliche Quelle allen menschlichen Glücks, der nur grad falsch verwaltet wird falsch ist, und die mit Argumenten dagegen ausstatten.

    Sicher nicht wenn wir uns in den Universitäten verkriechen und ausschließlich Theorie machen.

    Ich finde das ist ein doofer Vorwurf, weil es ja gerade erst die Theorie und das Einleuchten der richtigen Argumente ist, die einen darüber im Klaren werden lässt was es mit Staat und Kapital auf sich hat. Wer sich über diese Argumente nicht im Klaren ist kann zwar trotzdem zu einer Gegnerschaft zum Kap. kommen (etwa aufgrund einer persönlichen Moral, die sich im Kap. nicht repräsentiert findet) nur taugt dies zur Agitation nichts.

    Wohl eher wenn wir auf die Straße gehen und gemeinsam mit Menschen die durch das bestehende System benachteiligt werden für Verbesserungen Kämpfen.

    Ich kann noch so sehr auf die Straßen gehen und ala IL meine Nase überall reinstecken ohne dadurch auch nur ansatzweise eine revolutionäre bewegung zu schaffen. Es macht doch keinen Sinn irgendetwas vermitteln zu wollen und damit möglichst viele Lezte anzuziehen wenn 1. gar nicht klar ist, was eigentlich vermittelt werden soll und 2. die Leute, die man da agitiert einem im eigentlichen Zweck, nämlich der Abschaffung des Kap. gar nicht zustimmen sondern nur gerade in dieser partikularen Bewegung eben auch eine Schädigung wahrnehmen, die sie gerade stört ohne dadurch auch nur annähernd ein Bewusstsein für die gesamten Schädigungen zu entfalten. Wer z.B. vom Arbeitsamt fertig gemacht wird (und das können die sehr gut, weswegen ich auch sehr froh bin, dass es so Kampagnen wie oben genannte gibt) reicht es den meisten Leuten schon wenn diese Schädigung des Arbeitsamtes (z.b. ungerechte Sanktionen) abgeschafft werden. Mit Lohnarbeit und dem Verkaufen der Arbeitskraft haben die deswegen noch lange kein Problem. Und die haben übrigens auch, das sei noch kurz angemerkt, keine eigentliches Interesse von dem die noch nichts wissen un wo die Linke mal kurz drauf hinweisen muss um es ihnen klarzumachen, sondern die haben ganz klare Interessen und die äißern die auch: Weniger/Mehr Arbeit, ein wenig mehr Lohn, ein paar gelynchte Manager (für alle, die den Sarkasmus nicht merken sei hiermit drauf hingewisen), oder der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, das sind nur alles keine beinahe revolutionären Interessen sondern kreuzaffirmative. Und die Fehler muss man denen klarmachen nicht erstmal, ja ok sagen, mitmachen und dann hoffen die nehmen die Kritik ernster wenn man sich denen erstmal schön angebiedert hat.

    Und genau in diese Kerbe versucht die Aktion (und viele weitere dieser Art) zu schlagen.

    Und genau deshalb würde die Aktion vielleicht gar zur Agitation, wenn die den Leuten da mal korrekte Argumente sagen würden. Tun sie aber nicht, bzw. ist aus deren Blog nicht ersichtlich.

  4. 4 tee 23. September 2009 um 10:59 Uhr

    ach, tekknoatze. „verkriechen“ meint doch das ausschliessliche (huch, da steht ja sogar „ausschliesslich“ ;) )hocken in den unis und vortragsräumen. beides muss halt ineinandergehen, die „eingeleuchteten argumente“ an den mann und die frau da draussen gebracht werden.

    Und genau deshalb würde die Aktion vielleicht gar zur Agitation, wenn die den Leuten da mal korrekte Argumente sagen würden. Tun sie aber nicht, bzw. ist aus deren Blog nicht ersichtlich.

    wer mal mit „gemeinen arbeitslosen“ was gemacht hat, der weiss oftmals dass man die nicht so einfach agitieren kann. ist doch typisch kommunistischer idealismus sich hinzustellen und zu sagen man bräuchte die nur mit argumenten gegen den staat „ausstatten“. die gemeinen arbeiter_innen sind nicht qua klassenzugehörigkeit quasi von geburt aus revolutionäre subjekte, aber sie werden u.a. durch solidarität und gemeinsamen aktionen zu welchen. genau das ist die kerbe.
    übrigens ist agitation auch nicht der (primäre) zweck solcher aktionen. blogsport-kommunistische projektion hilft da in der betrachtung nicht weiter. auch fliegvogelflieg hofft ja nur, dass sich da was verbinden liesse, nicht dass die leute alle zu kommunisten werden.

    bei der gelegenheit sei nochmal auf die keas – kölner erwerbslose in aktion hingewiesen.

  5. 5 tee 23. September 2009 um 11:11 Uhr

    agitiert wird übrigens wie auch bei allen anderen gelegenheiten mehr nebenbei, ohne dass das direkt auf der agenda stünde. aus mehreren gründen:
    1. ist man mit einer kommunistischen/anarchistischen agenda weitaus angreifbarer als „amtshilfetruppe“; es wäre fahrlässig dumm sich sowas auf die fahne zu schreiben.
    2. wäre es abstossender für viele unpolitische arbeitslose (die bspw. so ihre erfahrungen und vorurteile mit linksradikalen/kommunisten/anarchisten haben).
    3. verwischt eine agitatorische zielsetzung völlig den zweck der ganzen aktion – der hilfe und das entfalten gemeinsamer kräfte im alltäglichen kampf um das nötigste.

    würdest du beim kommando spezialkräfte oder ähnlichem mitmachen, könntest du auch agitieren und ich bin mir sicher, das machen die jetzt tätigen auch dauernd. nur eben nach den möglichkeiten der gesellschaftlichen gegebenheiten, nicht idealistisch flyerverteilend.

  6. 6 Stromsau 23. September 2009 um 13:25 Uhr

    Was ist an zweitens schlimm, wenn du wirklich eigentlich nur Wege suchst, wie Leute dir beim Agitieren zuhören?

  7. 7 tee 23. September 2009 um 15:22 Uhr

    „wirklich eigentlich“?

    schrieb ich oben schon, siehe projektion. wenn dabei agitatorische hintergedanken eine rolle spielen finde ich das ja gut. aber sich als (selbst)hilfeorganisation „maskieren“ um einen eigentlichen zweck, die agitation, besser ausführen zu können funktioniert doch gar nicht. (meine ansicht)

    beides kann auch in eins gehen. es gibt durchaus konzepte, die kurzfristig die hilfe (zur selbsthilfe) bei amts- und lebensnöten im auge haben, um langfristig genau darüber die erwerbslosen zu organisieren und agitieren. nur ist letzteres mehr eine hoffnung, ersteres aber lebensrealität und deswegen auch der primäre zweck.

  8. 8 ♥Tekknoatze 24. September 2009 um 3:26 Uhr

    wer mal mit „gemeinen arbeitslosen“ was gemacht hat, der weiss oftmals dass man die nicht so einfach agitieren kann. ist doch typisch kommunistischer idealismus sich hinzustellen und zu sagen man bräuchte die nur mit argumenten gegen den staat „ausstatten“. die gemeinen arbeiter_innen sind nicht qua klassenzugehörigkeit quasi von geburt aus revolutionäre subjekte, aber sie werden u.a. durch solidarität und gemeinsamen aktionen zu welchen. genau das ist die kerbe.

    Wer hat denn bitte behauptet, dass die revolutionäre Subjekte sind? Ich jedenfalls nicht. Und die werden das auch nicht mal eben so wenn man mit denen in die Kerbe der Solidarität schlägt, das wiederum ist ein schöner Bwegungslinker Idealismus.
    Dass man die Leute nicht so einfach agitieren kann sondern sich erstmal durch einen schönen Haufen Ideologie beißen muss gilt übrigens nicht nur für Arbeitslose. Nur ohne korrekte Argumente braucht mans auch gar nicht erst versuchen, es sei denn natürlich es ist nicht das Ziel denen eine korrekte Kritik zu liefern sondern die nur irgendwie zu Gegner_innen der Gesamtscheiße zu machen.
    Und über diese Kritik gilt es schön zu verhandeln und die nicht zugunsten vom Schlagen in sich gerad bietende Kerben zurückzustellen.
    Den zweiten Kommentar versteh ich nur so halb, um die schön verblendeten Bürger_innen in ihrer Verblendung nicht zu verschrecken soll man damit hinter dem Berg halten, dass man eigentlich Kommunistin ist?
    Zu 3. natürlich ist das erstmal der Zweck da Hilfe zu leisten, und ich find das ja auch erstmal voll super. Nur sollte man dann auch mal die Ansprüche klären, die mit einer solchen Aktion zu haben sind. Und ich sage: die bleibt unter dem Niveau einer vernünftigen Geselllschaftskritik. Ihren Zweck erfüllt sie damit durchaus, nur den Fehler zu machen das für revolutionär zu halten sollte man nicht machen.
    Was das mit KSK da soll versteh ich nu gar nicht mehr.

  9. 9 tee 24. September 2009 um 4:38 Uhr

    Wer hat denn bitte behauptet, dass die revolutionäre Subjekte sind? Ich jedenfalls nicht. Und die werden das auch nicht mal eben so wenn man mit denen in die Kerbe der Solidarität schlägt, das wiederum ist ein schöner Bwegungslinker Idealismus.

    „ma eben“? lies mal richtig, ich schrieb:

    aber sie werden u.a. durch solidarität und gemeinsamen aktionen zu welchen

    Nur ohne korrekte Argumente braucht mans auch gar nicht erst versuchen, es sei denn natürlich es ist nicht das Ziel denen eine korrekte Kritik zu liefern sondern die nur irgendwie zu Gegner_innen der Gesamtscheiße zu machen.

    1. siehe zweck.
    2. „oh, ich hab gar nicht die richtigen argumente™, lass‘ ich’s doch mal lieber bleiben“ – oder fragt man erst beim zk nach und lässt die absegnen?

    Den zweiten Kommentar versteh ich nur so halb, um die schön verblendeten Bürger_innen in ihrer Verblendung nicht zu verschrecken soll man damit hinter dem Berg halten, dass man eigentlich Kommunistin ist?

    schlecht formuliert. es geht um die aktionen (primärer zweck, du erinnerst dich?). darum dass die leute nicht gleich hausverbot in der arge und andere repressalien kriegen und darum, dass so auch schwerer eine vorverurteilung und diskreditierung in der presse und sonstwo möglich ist. sowas schreckt „die schön verblendeten Bürger_innen in ihrer Verblendung“ nämlich wirklich ab, macht oft schon die möglichkeit der agitation zunichte.

    nur den Fehler zu machen das für revolutionär zu halten sollte man nicht machen.

    macht doch niemand!

  10. 10 tee 24. September 2009 um 4:40 Uhr

    ps: wer „Gegner_in der Gesamtscheiße“ ist, hat zumindest einen teil korrekte kritik schon intus. und das ist ja ein anfang.

  11. 11 tee 24. September 2009 um 4:43 Uhr

    pps: da schwingt immer eine feldherrendenke mit, mich gruselt’s …

  12. 12 tee 24. September 2009 um 4:56 Uhr

    Wer hat denn bitte behauptet, dass die revolutionäre Subjekte sind? Ich jedenfalls nicht.

    stimmt, hab ich hier hineingelesen:

    Grundlegend kann man, imo, nur festhalten, dass man die Leute davon überzeugen muss, dass ihr Denken in den nationalistischen Bahnen und ihr besorgt sein um den Staat als vermeintliche Quelle allen menschlichen Glücks, der nur grad falsch verwaltet wird falsch ist, und die mit Argumenten dagegen ausstatten.

    „mal eben“ von ihrem falschen denken überzeugen und ihnen das rüstzeug dagegen in die hand drücken. kommunistischer idealismus?! :P

  13. 13 fliegvogelflieg 24. September 2009 um 16:49 Uhr

    Eine gute Theorie ist gerade für solche Aktionen und Initiativen eine absolute Notwendigkeit. Und zumindest für ein paar Leute der KSK-Jena kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass diese einen Theoretischen Background mitbringen.
    Auch Tee’s Argument möchte ich nochmal stark machen:

    die gemeinen arbeiter_innen sind nicht qua klassenzugehörigkeit quasi von geburt aus revolutionäre subjekte, aber sie werden u.a. durch solidarität und gemeinsamen aktionen zu welchen. genau das ist die kerbe.

    Die meisten dieser Aktionen sind ein Versuch überhaupt mal wieder in einen Dialog mit Menschen zu treten die (noch) nicht von der Notwenigkeit, die Gesamtscheiße abschaffen zu wollen, überzeugt sind. Es ist völlig unklar ob diese Versuche gelingen werden, und daraus eine Organisierung der Erwerbslosen hervorgehen wird.
    Wenn es wirklich darum gehen soll den ganzen Laden hier abzuschaffen und nicht in einer Barbarei zu enden ist es absolut notwendig mit seinem Linksradikalen Polit-klüngel aus dem eigenen Versteck herauszukommen und die Diskussionen mit dem Rest der Bevölkerung zu führen die eben zu führen sind.

  14. 14 joey 25. September 2009 um 15:56 Uhr

    ich glaube, mensch muss mal ein bißchen klarheit in den eigenen begriffsapparat bringen: niemand denkt doch ernsthaft, dass zb die erwerbslosenbewegung (oder was davon übrig ist) revolutionär ist oder jemals war. das vorausgesetzt, stellt sich doch dann die frage ganz anders. und zwar etwa so: wie kann eine effektive linksradikale intervention in die sozialen bewegungen hinein aussehen? Auf welche weise können die durch ein eingreifen radikalisiert werden? Das ist übrigens auch der praktizierte ansatz der il, der sich meines erachtens dadurch auszeichnet, keine intellektuelle selbstbespassung zu sein, sondern sich mit dem real-existierenden klassenhass (ackermann in den knast o.ä.) auseinandersetzt, der natürlich einen hoch ambivalenten charakter hat, den aber rundweg abzulehnen einfach nur die konsequenz hat, sich in sein intellektuelles ghetto zurückzuziehen (elfenbeinturm ist ja bekanntlich nicht mehr).
    ich glaube im übrigen nicht, dass die leute sich lediglich durch argumente überzeugen und vor allem motivieren lassen, die verhältnisse zu ändern. das ist meiner ansicht nach eine typisch modern-aufklärerische perspektive: frei nach habermas: das bessere argument im herrschaftsfreien diskurs gewinnt.
    und wenn du die kommunistisch agitieren willst, ist der saal schneller leer als du gucken kannst. wieso sollten sie auch da bleiben, was ist der (achtung!) „mehrwert“ für die leute dabei? null. konsequenz: du musst dort anfangen, wo die leute sind. die erwerbslosen haben ja bekanntlich nicht viel, aber sie haben zumindest ein eigeninteresse. d.h. du musst dort ansetzen. eine nicht unberechtigte frage, mit hinsicht darauf, dass sich derzeit wirklich gar nichts bewegt, scheint mir zu sein: wie können die menschen überhaupt erstmal dazu gebracht werden, wieder für ihre eigenen interessen zu kämpfen? wie können sie dazu aktiviert werden? meiner ansicht nach, durch die erfahrung gegenseitiger solidarität und dass die wirklich effektiv sein kann. z.b. derart: mit begleitung gabs die leistungen, ohne nicht. nächste frage: wie schaffst du es, dass die menschen nicht nur dabei stehen bleiben? tja, darüber lässt sich diskutieren… aber ich denke, es lässt sich auf folgenden slogan bringen:
    wer vom klassenkampf nicht reden will, sollte vom kommunismus schweigen.

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