Wie angekündigt haben Vertreter des Landratsamtes und der Gemeindeverwaltung die Gemeinschaftsunterkunft Katzhütte besucht. Die Heimleitung tat alles daran die unhaltbaren Zustände zu relativieren und für nichtig zu erklären. Aber lest die Stellungnahme der BewohnerInnen selbst:
Stellungnahme der Bewohner der GU Katzhütte zum Besuch der Vertreter von Stadt und Land am 26.02.2008
Am 26.02.2008 besuchten Vertreter des Landratsamtes und der
Gemeindeverwaltung die Gemeinschaftsunterkunft (GU) Katzhütte. Den
Presseberichten der „OTZ Rudolstadt“ und der Zeitung „Freies Wort“
zufolge, versuchen die Heimleitung, die Gemeindeverwaltung und die
Vertreter des Landratsamtes die Situation unserer Unterbringung in
Katzhütte zu verharmlosen und sogar unsere Berichte teilweise als unwahr
darzustellen. Aus diesem Grund sehen wir uns gezwungen eine eigene
Stellungnahme zu den Geschehnissen herauszugeben.
Während des Besuches der Vertreter der besagten Behörden, versuchte die
Heimleitung immer wieder zu verhindern, dass wir, die Bewohner des
Flüchtlingsheimes Katzhütte die Zustände in unserer Behausung den
Vertretern direkt schildern. Des Weiteren verbietet die Heimleitung, ohne
ersichtlichen Grund, sämtlichen Pressevertretern bzw. uns persönlich, im
Heim zu filmen oder zu fotografieren, was es unmöglich macht, die
Situation im Heim einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen.
Den Presseberichten zufolge gibt die Heimleitung lediglich zu, dass in
zwei Bungalows Schimmel in den Wänden ist, was sich allerdings leicht
reparieren ließe. Wir möchten jedoch klarstellen, dass wir in einem
ehemaligen Ferienheim wohnen, was noch zu DDR Zeiten gebaut wurde. Nur
einige Bewohner wohnen in diesen ehemaligen Ferien-Bungalows. Die meisten
wohnen jedoch in alten Baracken, deren Wände aus Hartpappe bestehen. Die
Räume sind extrem hellhörig und es gibt für die dort lebenden Familien
kaum Privatsphäre. Die ehemalige Ferienanlage ist zum einen alt und
verbraucht, da sie nie restauriert worden ist, zum anderen wurde sie nie
zum dauerhaften Bewohnen ausgerichtet. Die meisten der Bewohner der GU
müssen dort allerdings für 5 Jahre und mehr wohnen bleiben. Die Wände der
Bungalows und Baracken sind kaum oder gar nicht gedämmt, weshalb sich
viele der Bewohner elektrische Heizgeräte selber kauften. Diese wurden
ihnen aber immer wieder von der Heimleitung weggenommen, mit der
Begründung, die Geräte würden zu viel Strom verbrauchen.
Wir bekommen monatlich 106,00 Euro in Gutscheinen und 60,00 Euro in
Bargeld ausgezahlt. Manche bekommen nur Gutscheine. Außerdem bekommen wir
noch monatlich festgelegte Beträge für Kleidung, Hausrat und
Hygieneartikel. Festgelegt ist auch, dass wir inklusive dieser Beträge
monatlich 224,00 Euro ausgezahlt bekommen müssten. Ausgezahlt werden uns
jedoch nur 166,00. Euro. Das heißt die Heimleitung müsste von dem Geld
Toilettenpapier und andere Hygieneartikel für die Gemeinschaft
bereitstellen. Dies ist allerdings nicht der Fall. Fraglich ist also der
Verbleib, der 58,00 Euro die wir jeden Monat zu wenig ausgezahlt bekommen.
Kollektivbestrafungen wie die Drosselung der Wassertemperatur in der
Nacht, bzw. dass Abschließen der Gemeinschaftsküche sind pädagogische
Maßnahmen, die noch aus Zeiten des Ferienlagers zu stammen scheinen. Wir,
Flüchtlinge aus aller Welt, die aus verschiedenen Gründen unsere Heimat
verlassen mussten, fühlen uns durch derartige Repressalien, wie auch die
Erfindung der Lebensmittelgutscheine und Urlaubsscheine in unserer Würde
verletzt.
Wir fordern aus diesem Grund, keine Reparatur der schimmligen Wände in
zwei Bungalows, sondern eine sofortige Schließung dieses Heims und eine
Unterbringung in normalen Wohnungen, in denen es uns möglich ist, ein
menschenwürdiges Leben zu führen!
Am 27.02.2008 sind ohne ersichtlichen Grund Polizeibeamte auf das Gelände
des Heims und in unsere Gemeinschaftsküche eingedrungen. Seitdem fahren
immer wieder Polizeiwagen Streife um das Heim.
Wir fordern außerdem diese Art von Einschüchterungsversuchen sofort zu
unterlassen!
Die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Katzhütte
Wir wollen in normalen Häusern leben und nicht in Baracken! Wir rufen Euch
auf, uns zu unterstützen in unserem Kampf um unsere Würde! Wir bitten
Euch, um Eure Solidarität!
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